Wie Smart Textiles unser Leben verändern

Interview mit Nora Kühner – fashion design consulting

– In Ihrem Vortrag geht es um Smarte Textilien und wie sie unser Leben verändern können. Können Sie uns bereits einen kleinen Ausblick geben, wo smarte Textilien den Alltag bereits beeinflussen und sogar erleichtern?

Bekleidung wurde in den letzten Jahren bereits sehr stark von Funktionalität geprägt. Die Integration elektronischer und sensorischer Funktionen ist daher die konsequente Weiterentwicklung dieses an Funktion ausgerichteten Leitbildes in der Entwicklung zeitgemäßer Bekleidung. Einsatzbereiche sind derzeit vor allem im Sport (Fitness/Wellness) und in der Medizin zu finden. Dabei geht es vorrangig um die Kontrolle/Überwachung von Körperfunktionen. Mit smarten Textilien eröffnen sich jedoch weit vielfältigere Möglichkeiten, um individualisierte Anwendungen für ganz unterschiedliche Kundenbedürfnisse zu entwickeln.

– Wie lässt sich Ihrer Meinung nach mit smarten Textilien Werbung betreiben? Werden sie bereits im Marketingmix verwendet?

Leuchtende Textilien werden sehr gerne für effektvolles Bildmaterial eingesetzt. Intelligente Textilien bieten in der Regel jedoch funktionale Lösungen, die weit über optische Effekte hinausreichen. Neue Kompetenzen sind nicht nur im R&D Bereich gefragt, sondern auch im Marketing. Ein Kleidungsstück mit gesundheitsfördernden Attributen erfordert einen anderen Marketingansatz als eine klassische Funktionsjacke.

– Wo geht Ihrer Meinung nach der Trend hinsichtlich smarter Textilien in den kommenden fünf Jahren hin?

Generell ist die Frage, ob die Bekleidungsindustrie auch Träger der Entwicklung hin zu mehr Technologie in der Kleidung sein wird. Aktuell kommen die führenden Akteure eher aus branchenfremden Bereichen. Diese setzen sich sehr stark mit den vielfältigen Bedürfnissen und Anforderungen der Kunden auseinander und stecken bereits in der Entwicklung einer breiten Palette von Produkten. Was bisher noch sehr vernachlässigt wird, sind in meinen Augen die ethischen Fragen, die mit diesen technologiezentrierten Entwicklungen einhergehen: Mutiert der menschliche Körper zum reinen Datenlieferanten? Wer trägt die Verantwortung, wenn das smarte Kleidungsstück nicht korrekt funktioniert?

München, 11.09.2018