Tradition und kernige Optik: Workwear boomt

In Handwerkerkreisen gehört berufsspezifische Arbeitskleidung zum Alltag. Jedes Gewerbe hat seine eigenen Merkmale und spezielle Accessoires für die Kleidung, die von den Handwerksgesellen während ihrer Wanderjahre, aber auch im späteren Berufsleben getragen wird.

Die Farbe der Kleidung steht für das Gewerk: Schwarz für Holzberufe wie Tischler und Schreiner, grau und beige für die Steinberufe, wie Steinmetz oder Steinbildhauer, olivbraun für alle, die mit Sand zu tun haben. Metallverarbeitende Gewerke tragen Blau. Neben den traditionellen Kleiderfarben sind auch Töne, wie Rot oder Camouflage-Muster zu haben. Denn die traditionelle Kleidung wird zunehmend gern auch unter modischen Aspekten und nicht mehr nur von Handwerkern getragen. Die Kleidungsstücke sind aufgrund ihres markanten Aussehens und ihrer Robustheit beispielsweise bei Skatern, Outdoor-Liebhabern oder DIY-Hobbyisten beliebt.

Auch die Marke Cahartt – 1855 in New York gegründet – entwickelte sich über die Jahre vom Workwear-Anbieter zum trendigen Fashion Label. Die Hauptzielgruppe des Unternehmens waren zunächst Stahl- und Eisenbahnarbeiter, die dort ihre Latzhosen kauften. Das Unternehmen wuchs und wurde im Laufe der Jahre zu einer der bekanntesten Marken für funktionale Arbeitskleidung. Anfang der 80er entdeckten die Hip-Hop-, Graffiti- und Skateboard-Szene die Kleidung, die damals preislich unter der von etablierten Modelabels lag. Cahartt Baggy-Pants, Kapuzenpullover und weit geschnittene Arbeiter-Jacken wurden zur Trend-Uniform. Heute sind die Kollektionen, mit ihren von Einfachheit bestimmten Designs, im breiten Mainstream angekommen.

Aber auch bei kleineren Marken boomt das Workwear-Geschäft. 2006 gründeten ein Handwerksmeister und ein Betriebswirt das Unternehmen Zunft.de, das sich ganz der Zunfthose verschrieben hat. Der Onlinevertrieb richtet sich mit seinem Angebot an traditioneller Kluft zwar vornehmlich an Handwerker. Neben einer entsprechenden Herren- und Damenkollektion ist aber auch Mode für Kinder im Angebot. Und die Eltern wird es freuen, wenn der Nachwuchs nach belastenden Einsätzen auf dem Spiel- oder Bolzplatz ohne Löcher in der Hose nach Hause kommt.

2013 kam mit Blaumann dann auch das Jeans-Handwerk wieder zurück nach Deutschland. Die vier Gründer der Marke verhelfen seitdem der klassischen amerikanischen Arbeiterhose zu neuem Glanz. Jede Blaumann-Jeans ist mit historischer Webkante, Kappnähten und extra verstärkten Gesäßtaschen mit verdecken Taschennieten ausgestattet. Die traditionelle Herstellung erfolgt nur in deutschen Konfektionsbetrieben. Auch Zutaten wie Garne, Knöpfe und Lederetiketten stammen aus Deutschland. Die Stoffe allerdings werden in Japan bezogen, da es hierzulande keine Denim-Webereien mehr gibt. Japanischer Jeansstoff gilt durch besondere Spinnverfahren, hochwertigste Baumwollfasern und spezielle Färbeverfahren als der weltweit hochwertigste und die Stoffe für die Blaumann Jeans werden in limitierten Kleinserien von maximal 150 Stück produziert. Jede Hose ist ein Unikat und auf dem rückseitigen Lederetikett nummeriert. Die extravaganten Arbeitshosen haben mit EUR 249,00 einen stolzen Preis, der dann auch eher Denim- und Design-Liebhaber, als den klassischen Workwear-Träger anspricht.

Wie zuletzt in den 80er-Jahren, scheint Arbeitskleidung also wieder voll im Trend zu liegen. Neue Anbieter und Markenmanufakturen beweisen: Workwear ist cool und wieder Thema – auch in der Mode.

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Bild Jeans: Bruno Nascimento on Unsplash