PSA: Von der Richtlinie zur Verordnung und die Folgen

Am 31. März 2016 wurde die neue europäische Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen (PSA) im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Nach einer zweijährigen Vorlaufzeit ist sie ab dem 21. April 2018 nun verbindlich anzuwenden und ersetzt die bisherige Richtlinie 89/686/EWG.

Durch die EU-Verordnung ergeben sich nicht nur für Hersteller Neuerungen. Auch für Importeure und Händler bedeutet sie neue Pflichten. Der Hauptverantwortliche bleibt zwar der Hersteller, jedoch werden nun auch die weiteren Wirtschaftsakteure mehr in die Verantwortung genommen. So muss beispielsweise der Importeur bzw. Einführer bei den gehandelten PSA-Produkten versichern, dass sie auf Konformität überprüft wurden und auch über die entsprechende Bescheinigung verfügen. Auch der Händler muss nun formalen Überprüfungspflichten nachkommen.

Geändert hat sich zum Beispiel auch die Einstufung von einigen PSA-Produkten in drei Kategorien, die es auch schon in der Richtlinie gab. Die drei Kategorien stufen die PSA-Produkte je nach Risiko ein, vor dem sie schützen sollen und sind unterschiedlichen Prüfanforderungen zugeordnet. Die Risiken reichen von geringfügigen (Kat. I) bis hin zu sehr schwerwiegenden (Kat. III) deren Folge irreversible Gesundheitsschäden oder sogar der Tod sein kann. Aus der veränderten Einstufung ergeben sich nicht nur eine veränderte Prüfanforderung, sondern auch Konsequenzen für die Anwender von PSA. Das trifft auf Produkte wie Gehörschutz, Rettungswesten oder PSA zum Schutz gegen Kettensägenschnitte zu. Sie fallen gemäß der EU-Verordnung neu unter Kategorie III und unterliegen damit einer Produktionskontrolle durch eine notifizierte Stelle.

Neben diesen und weiteren Änderungen kamen im Zuge der EU-weiten Neuregulierung durch die Grunddefinition der Ausrüstungen – also die Produkte, die im Sinne der Verordnung als PSA einzustufen sind – weitere neue Aspekte auf den Tisch. So wird beispielsweise u.a. von Marktaufsichtsbehörden darauf hingewiesen, dass Bekleidung mit UV-Schutz je nach Schutzwirkung und Bewerbung des UV-Schutzes nach jetzigem Stand unter die PSA-Kategorie I fällt. Und auch Jacken, die z.B. gegen Regen schützen, sind in die Kategorie I einzustufen, sofern sie als Berufsbekleidung getragen werden.

Aktuell ist hier also viel zu tun.

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt eine gewisse Schonfrist für bestehende Produkte. Denn bis zum 21. April 2019 läuft noch die Phase des Übergangs von der Richtlinie zur Verordnung. Ab dem 21. April 2019 müssen zwar PSA-Produkte, die neu auf den Markt kommen, gemäß der neuen EU-PSA-Verordnung hergestellt sein, aber Produkte, die der alten Richtlinie 89/686/EWG entsprechen und vor dem 21. April 2019 in Verkehr gebracht wurden, dürfen zeitlich unbegrenzt abverkauft werden. Gemäß der alten, bisher geltenden PSA-Gesetzgebung ausgestellte EG-Baumusterprüfbescheinigungen und Zulassungen gelten bis zum 21. April 2023, sofern sie nicht vor diesem Zeitpunkt ungültig werden.

Die schlechte Nachricht: Es gibt ein echtes Informationsdefizit und eine große Unsicherheit bei vielen Wirtschaftsakteuren. Worauf genau muss man sich einstellen? Was ist zu beachten? Was muss geregelt werden? Kurzum: Was genau bedeutet die neue PSA-Verordnung für Unternehmen, die Workwear oder Unternehmenskleidung im B2B-Bereich vertreiben?

Die Antworten auf diese Fragen bekommen Sie von Dipl.-Ing. Birgit Jussen von Quality Matters – Beratung für Nähtechnik & Qualität aus Düsseldorf (Link http://www.birgitjussen.de), Spezialistin im Bereich Bekleidungstechnik und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in der Textil- und Bekleidungsbranche und berät sachkundig zur PSA-Verordnung und anderen relevanten Textil- und Bekleidungsthemen. Birgit Jussen bietet Unternehmen neben Beratung und Gutachten auch Schulungen an. Und sie ist als Speakerin zu Fachthemen unterwegs.

Auf der PromoTex Expo spricht sie am Dienstag, 8. Januar 2019 von 10.30 bis 11.00 Uhr im Forum 13 in Halle 13, Stand A16, über Kleidung, die Schutz verspricht. Den Vortrag sollten Sie nicht verpassen, denn hier erfahren Sie komprimiert Vieles über die Neuerungen der aktuellen PSA-Verordnung.