Nur nicht den Faden verlieren

Fadenbilder sind seit den 70ern beliebt. Eine neue Technologie hebt die Kunstwerke jetzt mit beeindruckender Tiefe auf das nächste Level.

Friedhelm Limbeck, ein Erfinder aus Bad Münstereifel, gilt als der Vater der Fadenbilder. Das Kunsthandwerk, bei dem in ein Brett geschlagene Nägel durch Fäden verbunden eine geometrische Form oder ein Bild ergeben, verkaufte er in den 70er Jahren millionenfach in Deutschland. Bis heute ist die Technik – insbesondere in der Do-it-Yourself-Szene – beliebt. Schablonen und Anleitungen finden sich in vielfältigsten Formen und Foren im Internet.

Die Künstlerin Ani Abakumova und ihr Ehemann Andrey Abakumov haben das Prinzip der Fadenbilder jetzt mit erstaunlichen Ergebnissen weiterentwickelt. Sie erschaffen mit komplexer Fadenführung bekannte Porträts alter Meister. Ein eigens entwickelter Algorithmus gibt den Weg des Fadens vor und bestimmt die Überlagerung der einzelnen Ebenen, aus denen sich dann eine realistische Darstellung der Mona Lisa oder ein Abbild des Mädchens mit dem Perlenohrring formt.

Ani Abakumova erstellt die Fadenbilder von Hand. Über 8.000 Verspannungen mit einer Länge von rund vier Kilometern formen nach und nach ein mehrschichtiges Porträt mit rund 70 cm Durchmesser. Die digitale Arbeit in Form von algorithmischen Berechnungen übernimmt Andrey Abakumov, der mit mathematischen Formeln die Gestaltung der Bilder berechnet. Seine Software analysiert auf Basis einer Fotovorlage die Millionen Möglichkeiten, die es für die Platzierung des Fadens gibt. Findet der Algorithmus die, die der Vorlage am nächsten kommt, stoppt das Programm. Auf dieser Basis entsteht dann das Fadenbild. Auf dem YouTube-Kanal von Art Nitka finden sich viele Making-of-Beispiele, die zeigen, wie die Kunstwerke entstehen.

Neben den Damen-Porträts der alten Meister, hat das Künstlerpaar auch andere textile Motive, wie Tierköpfe oder Hollywood-Größen, realisiert. Aktuell denken die beiden daran, ihr Können jedem anzubieten, der sein Konterfei als Fadenbild umgesetzt haben möchte. Persönliche Porträt-Aufträge werden zukünftig gern angenommen.

Bilder: Art Nitka