Bio-Baumwolle: Besondere Qualität mit besonderer Entwicklung

Der Bio-Baumwoll-Anteil im Textilmarkt wächst und es ist gut, nachhaltig einzukaufen. Doch mehr Engagement ist gefragt.

Nachhaltig produzierte Textilien verbessern meist auch die Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern, brauchen zur Herstellung weniger Chemie und sorgen als Slow-Fashion für weniger Abfall. Für all das zahlen Endverbraucher und immer mehr Unternehmen – z.B. bei ihrer Corporate Fashion – gerne mehr. Wer etwas auf sich hält, trägt grün. Die Rohstoff-Beschaffung zur Herstellung solcher Textilien kann jedoch ziemlich komplex sein, wie das Beispiel Bio-Baumwolle zeigt.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist eine Multi-Akteurs-Partnerschaft aus rund 120 Unternehmen, Verbänden, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Standardorganisationen sowie der deutschen Bundesregierung. Die Akteure haben sich 2014 zusammengeschlossen, um gemeinsam Verbesserungen entlang globaler Wertschöpfungsketten in der Textilindustrie durchzusetzen. Jedes Mitglied verpflichtet sich, jährlich einen individuellen Maßnahmenplan in Form einer Roadmap umzusetzen, die extern geprüft und seit 2018 verpflichtend auf der Homepage des Textilbündnisses veröffentlicht wird. Im Folgejahr legen die Bündnismitglieder dann einen Fortschrittsbericht offen und belegen, welche Ziele sie erreicht haben und woran weitergearbeitet wird.

In den kürzlich veröffentlichten Fortschrittsberichten des Bündnisses ist zu lesen, dass die Mitglieder über die Hälfte der weltweit verfügbaren Bio-Baumwolle beziehen. 2018 waren das rund 83.000 Tonnen. Und die Tendenz ist steigend: Bis 2020 wollen die Bündnismitglieder den Anteil nachhaltiger Baumwolle auf 35 Prozent steigern, davon sollen mindestens 10 Prozent aus biologischem Anbau oder der Umstellung auf den biologischen Anbau stammen. Bis 2025 soll dieser Anteil verdoppelt werden, das heißt, auf 70 Prozent nachhaltige Baumwolle, davon 20 Prozent Bio-Baumwolle oder Baumwolle in Umstellung. Aus den Fortschrittsberichten geht hervor: Von den knapp 800.000 Tonnen Baumwolle, die die Bündnismitglieder 2018 beschafften, stammten bereits rund 10,5 Prozent aus Bio-Anbau und 21,7 Prozent aus anderen als nachhaltig anerkannten Quellen.

Beeindruckende Zahlen, doch von den 22.000.000 Tonnen Baumwolle, die weltweit angebaut werden, beträgt der Anteil der Bio-Baumwolle tatsächlich nur 0,5 Prozent. Die Zahlen hat Textile Exchange (Link www.TextileExchange.org), ein globaler gemeinnütziger Verein mit führender Position in der nachhaltigen Faser- und Materialindustrie, kürzlich bekannt gegeben. Sie sind im Organic-Cotton-Market-Report im Rahmen einer umfangreichen Marktbetrachtung veröffentlicht.

Im Report findet sich auch ein Aufruf an die Textilbranche mit einem Call-To-Action, der klar macht, dass es nicht reicht, einfach nur Bio einzukaufen. Um weitere Bewegung in das Thema zu bringen, sei es wichtig, in den Unternehmen Ziele zu formulieren. Hier heißt es unter anderem: „Verpflichte Dich, Deinen Baumwollverbrauch auf Bio umzustellen und setze quantitative, zeitgebundene Ziele, um einen nachvollziehbaren Fortschritt zu erzielen. Installiere Kontrollinstanzen, um ein Produkt bis zur Marktreife zu verfolgen. Arbeite mit Deinen Lieferanten zusammen, um auch Transparenz vor Ort zu schaffen.“ Diese Empfehlungen zielen neben einem Bekenntnis zum Produkt in Sachen Bio-Baumwolle vor allem auf Unterstützung im Anbauland, in der Lieferkette und der Textilproduktion ab – und zwar von den Basics, wie der Unterstützung der Bauern und der Investition ins Saatgut, über eine langfristige Begleitung des Anbaus bis zur eigentlichen Verarbeitung zum Endprodukt.

Am 8. Januar 2020 vertiefen wir am Fokustag „Workwear“ das Thema „Bio-Baumwolle“ im PromoTex Expo-Rahmenprogramm im Forum 13. Von 13.00 bis 13.30 Uhr hören Sie dazu auf dem Panel „Nicht nur praktisch und funktional, sondern auch nachhaltig stylisch. Der Stellenwert von ökologischer und sozialer Workwear in der Unternehmenskommunikation.“ Rainer Schlatmann von der Bremer Baumwollbörse referiert zudem zu dem Thema: „Besondere Qualität, besonders fair. Die besondere Rolle von Fairtrade-Biobaumwolle für die Corporate Fashion und warum es lohnt, über Machbarkeit, Beschaffung und Realisation nachzudenken.“

Zudem erhalten die Besucher der PromoTex Expo auf dem Textile Campus in Halle 12 jede Menge Informationen rund um nachhaltige Textilproduktion.

Bild: Trisha Downing auf unsplash.com